TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Hier dreht es sich um unsere Zweiräder aus Zschopau.

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TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Beitragvon twostroke » Mo 11. Okt 2010 19:21

Guten Tag,

ich habe ein kleines Getriebeproblem und hoffe, dass hier jemand ist, der mir weiterhelfen kann.

Ich möchte meiner TZ 250/0 einen Motor mit 5-Ganggetriebe (TS 250/1) spendieren und habe einen
solchen für ein paar Euronen im Internet ersteigert. Das Aggregat macht äußerlich einen guten Eindruck
und die Kompression ist auch ok.

Nun habe ich festgestellt, dass sich das Kettenritzel bei einglegten Gang ca. 1/4 Umdrehung leicht drehen
lässt. Das erscheint mir sehr viel. Der Primärantrieb dreht sich dabei nicht mit, so dass ich die Kupplung
wohl ausschließen kann.

Zum Vergleich: Beim 4-Gang-Motor lässt es sich gerade mal 1 Zahnbreite weit drehen.


Hat jemand eine Idee, woran das liegen könnte oder ob das vielleicht sogar normal ist?
Vielleicht noch zur Info: Der Kickstarter ist ausgebaut und das Ritzel lässt sich in allen Gängen
gleich weit drehen.

Ich möchte nicht das Motorgehäuse trennen, wenn es nicht unbedingt sein muss.

In der Hoffnung, dass mir jemand weiterhelfen kann verbleibe ich mit

freundlichem Gruß

Carsten

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Re: TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Beitragvon Winkelschleifer » Mi 13. Okt 2010 15:31

Das Getriebe funktioniert vereinfacht gesagt so:
Du hast für die verschiedenen Gänge Gangräder und Schalträder.
Die Gangräder sind frei drehend aber axial fix auf der Welle, daneben das Schaltrad, was axial verschiebbar aber nicht frei drehend auf der Welle ist und über die vom Schaltautomat gesteuerte Schaltgabel bewegt wird.

Zum übertragen des Kraftflusses wird also das Schaltrad gegen das Gangrad geschoben und greift dort mit Klauen in Fenster im Gangrad ein. Die Klauen verhaken sich im Betrieb durch ihre Hinterschneidung im Fenster.

Die viertel Umdrehung, die du am Abtriebsritzel spüren kannst, ist also das im Stand frei bewegliche Spiel der Klauen in den Fenstern.
Bei den Viergang-Motoren sind fenster und Klauen anders dimensioniert, daher ist es dort weniger Spiel, würde ich sagen.

Zur Illustration hänge ich dir mal Bildchen an.

Das Getriebe, oben Abtriebswelle, unten Antriebswelle
getriebe.jpg


Draufsicht auf das Gangrad erster Gang der abtriebswelle, dahinter erkennt man das Schaltrad
draufsichtabtriebswelle.jpg


Grüße,
WS
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Re: TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Beitragvon twostroke » Mi 13. Okt 2010 23:13

Hallo,

vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Ich konnte mir zuerst nicht vorstellen warum Schalt- bzw. Gangrad zwischen 4- und 5-Gang-Motor unterschiedlich sein sollten und
hatte daher die Befürchtung, dass die Klauen abgenutzt oder die Fenster ausgeschlagen sind.

Aber die Aussage

Winkelschleifer hat geschrieben:Bei den Viergang-Motoren sind fenster und Klauen anders dimensioniert, daher ist es dort weniger Spiel, würde ich sagen.


beruhigt mich ehrlich gesagt ein wenig. Ich hoffe jetzt nur noch, dass die Klauen in einigermaßen gutem Zustand sind und mir später im Betrieb
nicht die Gänge rausspringen.

Gehören Gang-und Schaltrad auf dem zweiten Foto zusammen und sind sie aus einem "5-Gänger" ? Wenn ja, dann könnte das mit der 1/4
Umdrehung unter Berücksichtigung der Übersetzung vielleicht schon passen.

Ich habe da noch eine weitere Frage: Kann ich die Kupplung aus dem Viergang-Motor in den Fünfgang-Motor einbauen?

Sieht alles ein bisschen unterschiedlich zwischen den beiden aus. Auch der Kupplungsazieher (den ich noch nicht besitze) ist ein anderer.

Hier mal Fotos:
IMG_0663.JPG
IMG_0664.JPG
IMG_0665.JPG


Die 4-Gang Kupplung macht (zumind. optisch) einen besseren Eindruck. Der Abstand zwischen Druckplatte und Kupplungsgehäuse ist auch geringer
als bei der 5-Gang-Kupplung woraus man evtl. die Abnutzung der Lamellen schließen könnte. Ist bei unterschiedlichen Bauteilen natürlich
schwer zu sagen.

Für eine Info wäre ich dankbar!

Gruß
Carsten
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Re: TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Beitragvon Winkelschleifer » Do 14. Okt 2010 13:31

twostroke hat geschrieben:Gehören Gang-und Schaltrad auf dem zweiten Foto zusammen und sind sie aus einem "5-Gänger" ? Wenn ja, dann könnte das mit der 1/4 Umdrehung unter Berücksichtigung der Übersetzung vielleicht schon passen.

Ja, so ist es.

twostroke hat geschrieben:Ich hoffe jetzt nur noch, dass die Klauen in einigermaßen gutem Zustand sind und mir später im Betrieb
nicht die Gänge rausspringen.

Das bleibt zu hoffen, da steckt man leider nicht drin.

twostroke hat geschrieben:Ich habe da noch eine weitere Frage: Kann ich die Kupplung aus dem Viergang-Motor in den Fünfgang-Motor einbauen?

Im Prinzip ja.
Beachte aber den unerschiedlich hohen Abziehbund, daher muß bei Verwendung der 4G-Kupplung noch die Hülse zwischen Bund und Lagerbuchse.
Zudem ist das Ausrücklager ein Axiallager, daher müssen dann auch Ausrückhebel und Lagerbuchse vom 4G verwendet werden.
Die Umrüstung auf das Radiallager beim 5G hat einen Grund: Dieses geht tatsächlich weniger schnell kaputt, bzw. hält oftmals länger als der Rest des Motorrads

PS.
Abziehgewinde:
4G - M26x1.5
5G - M24x1.5, Druckstück erforderlich

Billigabzieher taugen nichts.



twostroke hat geschrieben:Der Abstand zwischen Druckplatte und Kupplungsgehäuse ist auch geringer
als bei der 5-Gang-Kupplung woraus man evtl. die Abnutzung der Lamellen schließen könnte.

Die "Schlitze" sind direkt als Verschleißindikator gedacht. Allerdings je größer sie sind, desto geringer der Verschleißfortschritt.
kupplungsverschleiss.jpg

Wenn das Maß X 0.5mm erreicht oder gar unterschreitet, muß die Kupplung neu belegt werden.

Das ist aber ganz leicht, ärgerlich nur, daß die Reiblamellen im Handel zu dick sind und abgeschliffen werden müssen.
Dafür daß sie nachgearbeitet werden müssen, bevor man sie verbauen kann, sind die leider sehr teuer


Wenn du noch Fragen hast, immer raus damit

Grüße,
WS
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Re: TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Beitragvon twostroke » So 17. Okt 2010 08:24

Hallo,

habe mich dazu entschlossen vorerst mal die alte Kupplung zuverwenden. Ich habe bei beiden Kupplungen den
Abstand Maß "X" - wie im Bild - mit 1.9mm gemessen. Fälschlicherweise hatte ich vorher das Maß "Y" (Bild)
gemessen, war mir aber nicht sicher, ob das eine Referenz ist.

kupplungsverschleiss.jpg


Ich habe in den Reparaturhandbüchern von "www.miraculis.de" gelesen, dass 3mm neuwertig sind. Ist das richtig ?
Wenn ja, dann sollte sie noch ein bisschen durchhalten. Falls nicht, kann ich sie immer noch tauschen, wenn der Motor
eingbaut ist. Ich erspare mir aber vorerst die Anschaffung zweier Kupplungsabzieher.

Ich möchte allerdings den Gehäusedeckel des 4 Gang-Motors verwenden, da dieser wesentlich besser aussieht und
keine Beulen und Schrammen hat. Laut Ersatzteilliste haben die Deckel bei 4- und 5-Gangmotor die gleiche
Teilenummer - sollten also identisch sein. Optisch kann ich auch keinen Unterschied erkennen.

Das heißt allerdings auch, dass ich Kupplungsbetätigung/Ausrücklager tauschen muss.

Meine Frage lautet nun: Wird die Lagerbuchse mit dem Radiallager einfach nur von außen eingeführt und von innen
mit dem Druckhebel gehalten? Oder ist die Buchse ins Gehäuse eingepresst?

Vorab schon mal vielen Dank für eine Antwort!

Gruß und schönes Restwochenende
Carsten
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Re: TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Beitragvon MZ-Heinz » Di 19. Okt 2010 20:18

twostroke hat geschrieben:Das heißt allerdings auch, dass ich Kupplungsbetätigung/Ausrücklager tauschen muss.

Meine Frage lautet nun: Wird die Lagerbuchse mit dem Radiallager einfach nur von außen eingeführt und von innen
mit dem Druckhebel gehalten? Oder ist die Buchse ins Gehäuse eingepresst?

Carsten


Hallo Carsten,
es ist so wie du vermutest, die Deckel sind gleich, und die Kupplungsbetätigung ist nur gesteckt, sie muss sich ja auch drehen lassen, sonst kannst du das Kupplungsspiel (Grundeinstellung) nicht einstellen. Festgeschraubt wird das Ganze dann mit der großen Mutter auf der Kurbelwelle.
Gruß Heinz

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Re: TS 250/1 Spiel am Kettenritzel

Beitragvon Winkelschleifer » Sa 23. Okt 2010 23:02

MZ-Heinz hat geschrieben:Festgeschraubt wird das Ganze dann mit der großen Mutter auf der Kurbelwelle.

Wobei die Lagerbuchse für die Kupplung durch den Stellring und die drei Abschlußdeckelschrauben fixiert wird.

Ich würde sogar dazu raten, die Lagerbuchse gefettet einzustezen, damit sie sich nicht festsetzt.
Zum Einsetzen in den deckel muß sie gegen den Ausrückhebel verdreht werden, damit er nah genug aufsitzt.
Ist in der Literatur kompliziert beschrieben, ergibt sich beim probieren intuitiv.

Dein Maß Y korrespondiert natürlich mit dem X - je verschlissener die beläge, desto weiter rückt der Ausdrückflansch ab - da hattest du also richtig gedacht.

Grüße,
WS


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